Tag 1 Mailand

Reisen ist entdecken. Entdecken neuer Kulturen, Gebräuche, Landschaften und auch immer ein Stück von sich selber.

Orte: Hamburg – Mailand

Der Wecker klingelte um 06:00 Uhr morgens aber ich war bereits wach. In den morgen Stunden fand einer der größten Ereignisse des Jahres statt. Die Ironman Weltmeisterschaft im Triathlon auf Hawaii. Auch dieses Jahr waren wieder viele herausragende Athleten am Start. Die Spannung war gross, ob die eigenen Favoriten das Rennen dominieren und den Sieg davon tragen würden. Doch jetzt aber zu meiner Reise. Wachgehalten vom Kampf um den Weltmeistertitel, stand ich um 06:30 Uhr völlig übermüdet auf. Keine Spur von Aufregung, nur den Bedarf nach einem Kaffee und den Wunsch die letzten Dinge einzupacken um den Rucksack endlich Schultern zu können.

Bevor es losging wog ich den Rucksack. 13 kg wog er. Das war in Ordnung. 15 kg habe ich bei Ryanair angegeben. Das kostet 15€. Wenn man über die 15 kg hinauskommt, wird es richtig teuer. Da das Gewicht passte konnte ich meine Reise antreten. Ich fuhr zum Hamburger Hauptbahnhof, wo ich mit einem Shuttle Bus für 10€ nach Hamburg-Lübeck befördert wurde. Das gute an dem Shuttle Bus ist, das der Flieger auf den Bus wartet und der Bus auf den Flieger. So ist die Fahrt nach und von Hamburg-Lübeck gesichert.

Wenn man mit Ryanair fliegt ist es wichtig von zu Hause aus einzuchecken und sich die Bordkarte auszudrucken. Hat man die Bordkarte nicht vorliegen, kostet das 40€ extra. Mein Tip beim Onlinebuchen über Ryanair, ganz genau durchlesen was man dort akzeptiert, dann geht auch nichts schief und es kommen keine Zusatzkosten mehr auf ein zu. Man kann übrigends bis 15 Tage vorher einchecken.

Am Flughafen traf ich Tina, wir kannten uns nicht sind uns aber auf einem Schwimm Trainingslager des Triathlon Vereins Triabolos bereits begegnet. So war der Flug nach Milano Bergamo kurzweilig und vergnüglich. In Milano Bergamo angekommen, hies es Abschied nehmen und eine Fahrtmöglichtkeit nach Milano Central zu finden. Das war recht einfach da dort ebenfalls ein Shuttle Bus nach Milano hinein fuhr. So kam ich für 9,90€ in etwa über eine halbe Stunde später an der Central Stationen in Milano an.

Dort war meine erste Amtshandlung in einem Café ein Stück Pizza und einen Cappuccino zu bestellen und zu verspeisen. Was soll ich sagen nur in Italien ist ein Cappuccino auch ein Cappuccino. Die Italiener verstehen was von ihrem Handwerk. Während ich dieses edle Italienische Getränk genoss kümmerte ich mich mittels meines Iphones um eine Übernachtungsmöglichkeit. In ca. 4 km Entfernung machte ich das Zebra Hostel aus, nicht unweit des Zentrums. Ich entschloss mich diese Distanz zu Fuss zu überwinden. Der Weg dorthin führte mich am Zentrum Mailands vorbei.

Sobald man die erste Geschäftsgasse betritt, merkt man sehr deutlich das man sich in der urbanen Modemetropole Italiens befindet. das sind nicht einfach nur Kleidungsstücke in den Schaufenstern, nein es ist der Ausdruck von Grazie, Schick und Lebensgefühl der einen da aus den Fenstern entgegen strahlt. Versage, Dolche Gabbana, Gucci alle sind sie vertreten. Dem entsprechend schick und modisch sehen auch die Menschen aus die sich auf diesen Strassen bewegen. Ich kann mich nicht dagegen wehren beeindruckt von dieser Schönheit zu sein.

Nach 1 1/2 Stunden Fussmarsch kam ich im Zebra an. Nach dem ich für 24€ für eine Nacht eingechekt habe bekam ich ein Armband aus Papier an dem man nun erkennen konnte das ich jetzt dazu gehöre. Ich brachte man Rucksack in das 16 Bett Zimmer und begab mich in den allgemeinen Aufenhaltsraum wo man chillt, sich zusammen findet, sein Essen einnimmt, die meiste Zeit aber im Internet mit seinem Notebook unterwegs ist. So zumindest das Bild das ich sah. Dort versorgte ich mein IPhone mit neuer Akkupower und recherchierte mit meinem IPad im Internet über die POI’s (Point of Interesst) Mailands.

Nachdem mein IPhone wieder genug Power hatte begab ich mich auf den Weg Mailand zu entdecken. Leider war es schon sehr spät um noch viel zu entdecken. Es war bereits nach 18:00 Uhr. Mein Weg führte mich zum grossen Kirchplatz bei der Kathedrale Duomo. Nach dem Petersdom in Rom und der Kathedrale von Sevilla ist es die dritt grösste Kathedrale der Welt. Dieses französiche-gotische Bauwerk benötigte 400 Jahre bis zu ihrer Vollendung. Eine vergoldete Marienstatue, die Madonnina schmückt in 108 m Höhe die Spitze. Ein imposantes Bauwerk.

Für einen Sonntag war der Kirchplatz überaus stark besucht. Von Duomo ging es gleich weiter zur Galleria Vittorio Emanuele II die Kathedralle des Konsums. Durch einen Riesen imposanten Torbogen betritt man die Shopping Mall des 1900 Jahrhunderts. Es gilt als schönste überdachte Einkaufsstrasse Italiens. Die Galleria besteht aus zwei Armen einen 200 m lang und der andere ca. 100 m lang. Dort wo sie sich kreuzen wölbt sich eine Glaskuppel in 50 m Höhe. Im ganzen ein beeindruckender Anblick.

Nach einem Spaziergang der mich durch das geschäftige Zentrum führte begab ich mich wieder auf dem Weg zu meinem Hostel. Eine Sache die mir sehr stark auffiel, war der unangenehme starke Geruch nach Zigarettenrauch. In Italien ist es ebenfalls nicht erlaubt in Restaurants zu rauchen bei der Bevölkerung scheint sich aber wohl noch kein Zigarettenkonsum Rückgang eingestellt zu haben. Ich bin jetzt als ehemaliger Raucher nicht zu einem penetranten Verfechter de nicht Rauchens geworden. Muss aber trotzdem feststellen, das frische Luft um einiges angenehmer ist.

Grossartig Bekanntschaft schloss ich im Zebra nicht. So beschäftigte ich mich mit der Geschichte Italiens und versuchte meine Wünsche für die nächsten Tage zu ergründen. Eins war mir bereits klar, morgen geht es nach Venedig. Mailand übte kein so grossen Reiz auf mich aus, der mich dort hätte halten können.

Morgen geht es dann also weiter aus Vendig.

Ciao Micha

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Backpacking in Italien

Meine letzte Reise ist bereits über drei Monate her. Was zugegeben keine lange Zeit ist aber in Anbetracht der Tatsache das durch meine Nordseeumrundung die Reiselust entfesselt wurde, ist es ein angemessener Zeitraum um eine weitere Form des Reisens in mein Erfahrungspool mit aufzunehmen. Das Backpacking! Bewege Dich zum Startpunkt Deiner Reise, Spinne einen roten Pfaden an dem Du Dich reisend entlang hangelst und lasse dich dabei treiben. Der Endpunkt Deiner Reise führt Dich wieder nach Hause.

Zugegeben im Vergleich zu meiner letzten Reise, in der ich über 6000 km fahrend mit dem Rad die Nordsee umquerte, ist diese Reise nicht von körperlichen Herausforderungen geprägt. Dafür habe ich aber mehr Zeit und Möglichkeit, die Orte die ich Durchreise zu entdecken.

Meine Reise wird am 09.10.2011 in Milano (Mailand) in Italien beginnen und sie wird am 19.10.2011 in Pisa enden. An und Abreise realisiere ich über Ryanair, startend und landend in Hamburg-Lübeck. Es existiert noch keine Reiseroute. Einige Orte üben einen Reiz auf mich aus, diese sind mögliche Kandidaten meiner Reise. Dies wären Venedig, Florenz, Siena und Rom. Mailand und Pisa werde ich wegen meiner An- und Abreise mit Sicherheit bereisen.

Die Reiseform wird nicht mit dem Rad und auch nicht zu Fuss statt finden, wie viele vermuteten. An- und Abreise von Deutschland nach Italien und wieder zurück findet mit Flugzeug statt. Innerhalb des Landes werde ich die Distanzen von Ort zu Ort mit Öffentlichen Verkehrsmitteln bestreiten. Das wird in den allermeisten Fällen der Zug sein. Das Zug fahren soll in Italien wesentlich günstiger sein als in Deutschland. Unterkunft werde ich in Hostels finden,
Die ähnlich Jugendherbergen, Platz für Reisende aus der ganzen Welt schaffen. Meine erste Erfahrung mit Hostels machte ich auf meiner Nordseetour. Hostels sind günstig und sind ein guter Ort um Menschen mit spannenden Geschichten kennen zu lernen.

Wenn mir diese Art des Reisens zusagen sollte, würde ich nächstes Jahr eine Europareise in ähnlicher Form anstreben. Aber erst einmal werde ich über diese Reise berichten!

Viel Spass beim lesen.
Micha

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Tag 90 Hamburg/Deutschland “Resümee”

Einmal um die Nordsee herumfahren! Etwas größeres als das habe ich in meinem Leben noch nicht getan. Es war keine Erfüllung eines lang ersehnten Traumes und es war auch kein Jahre lang geplantes Ziel. Es war schlicht und ergreifend eine Idee die mir letztes Jahr über den Weg lief. Durch zusammentreffen glücklicher Umstände bekam die Idee Konturen und wurde zu etwas realistisch möglich machbaren. Meine Erwartungen wurden zu 100% erfüllt. Ich würde es jederzeit genau so wieder machen.

Ich habe noch nie in meinen Leben zuvor eine Radtour gemacht. Ich bin Ersttäter!  Durch meine eigene Geschichte konnte ich einschätzen zu was ich in der Lage bin, wenn ich für etwas Interesse aufbringe und mir ein Ziel gesetzt habe. Durch den Triathlon Sport, den ich seit 2010 betreibe war mir zumindest  klar was es bedeutet auf einem Rad zu sitzen. Meine allererste Tätigkeit in der Vorbereitung war zu beurteilen ob es für mich realistisch ist in einem Zeitraum von ca. drei Monaten einmal um die Nordsee zu fahren. Ich kam zu dem Ergebnis das es für mich machbar ist.

Ich setze mich drei Monate lang, von Anfang Januar bis Ende März, intensiv mit dem Thema Radreisen auseinander. Zuerst dachte ich noch ich müsste alles haarklein durch planen. Jeder Kilometer müsste vorher bekannt sein. Jede Fähre, jede Brücke in einer Liste erfasst. Doch mir wurde schnell klar, das dies bei einer Reise solcher länger nicht sehr viel Sinn macht. Ich beschränkte mich darauf herauszufinden, welches Material geeignet für eine Reise in dieser Jahreszeit ist. Und was man bei einer Radreise alles beachten sollte. Das wären Themen zu körperlichen Beschwerden verursacht durch langes sitzen auf einem Rad in nahe zu der selben Position. Da geht es um Verpflegung, Essens Zubereitung. Um mögliche Schlafunterkünfte. Ich partizipierte von einschlägigen Radforen in denen über viele Themen diskutiert wird.

Man wird im Vorfeld von vielen Freunden und Kollegen gefragt was man mit solch einem Vorhaben verbindet und erwartet. Drei Fragen tuen sich da auf. Warum mache ich das? Was glaube ich auf der Tour zu erwarten? Und zu guter letzt, was ändert sich danach für mich.

Zur ersten Frage, warum ich das mache, gibt es eine kurze Antwort. Weil ich es kann. Ein bisschen mehr hat mich schon dazu bewegt. Es gibt nicht einen Grund, eher eine Reihe von Merkmalen die mich dazu gebracht haben. Da wären die Möglichkeit aus seinem Trott herauszubrechen und die Dinge mal von einer anderen Warte aus zu betrachten, der sogenannten Vogelperspektive. Ein weiterer Grund wären das aufladen der Batterien. Wenn man seit Ewigkeiten kein Urlaub gemacht hat und sehr in seiner Arbeit lebt, die man auch noch überaus gerne macht, verbraucht man Energie die es wieder aufzuladen gilt. Ein Punkt ist das Reisen bei dem man Land und Leute kennen lernt. Zu guter letzt ist auch die sportliche Herausforderung ein wichtiger Grund.

Auf die zweite Frage antworte ich einmal mit dem was man vom reisen erwartet. Man erhofft sich wunderschöne Landschaften zu sehen und nette Menschen kennen zu lernen. Ich erwartete aber auch auf meiner Reise durch viele Emotionale Zustände zu gehen. So eine Reise ist ein Spiegelbild des Lebens mit unterschiedlichen Spiegelmotiven. Man kann nicht immer 100% gut drauf sein. Man hat gute und schlechte Tage. Sowohl körperlich als auch Mental. So erwartete ich Momente des Glücks sowie auch Momente des Zweifelns und des Niedergeschlagen seins. Ich erwartet Situationen in den ich über mich hinauswachsen würde.

Was ändert sich durch die Reise für mich. Letztendlich kann ich das jetzt noch gar nicht beantworten. Was ich jetzt bereits sagen kann ist, das man vielen  Situationen die zuerst ausweglos erscheinen, viel entspannter gegenüber tritt. Es gibt für alles einen Weg. Man öffnet sich viel mehr gegenüber Menschen. Es gibt viel mehr nette und hilfsbereite Menschen als man zu denken glaubt. Man nimmt unheimlich viel Inspiration für die Zukunft mit.

Ich möchte auch noch auf ein paar weiter Fragen eingehen, die mir immer wieder gestellt wurden. Warum fahre ich so früh im Jahr und warum nicht in den Süden? Der 01.04.2011 bis zum 30.06.2011 bot sich als Zeitfenster an. Ich wollte auch nichts auf die lange Bank schieben. Um interessante und wunderschöne Landschaften zu sehen muss man nicht in den Süden fahren. An der Nordsee in den Anrainerstaaten gibt es unglaublich schönes zu bestaunen und zu bewundern. Die Frage des Klimas ist ein Frage der Kleidung. Warum alleine diese Reise unternehmen? Ich sagte immer: “Weil ich keinen kenne der so bekloppt ist mit mir 6000 km zu fahren.”. Tatsächlich kenn ich niemanden der hätte mit mir kommen können. Im nach hinein kann ich sagen, das ich eine Reise dieser Länge immer wieder alleine machen würde. Man kann sein eigenes Tempo und Timing voll ausschöpfen. Kompromisse sind nicht notwendig. Hat man einen guten Tag fährt man 158 km, hat man einen schlechten Tag fährt man nur 40 km. Man hält und macht Fotos wo es einen beliebt. Im Gegenzug dazu hat man niemanden mit dem man in Echtzeit die Schönheiten bewundern kann. Erst zu einem späteren Zeitpunkt kann man den anderen Mitteilen was man schönes gesehen hat. Für kürzere Reisen würde ich mir das nächste mal einen geeigneten Reisepartner suchen.

Was kommt als nächstes? Ich weis es noch nicht! Den Kilimandscharo besteigen, mit dem Kajak quer durch Schweden? Da ich in der nächsten Zeit keine drei Monate am Stück frei bekommen werde, müssen es Herausforderungen werden die sich in einem kürzeren Zeitraum bewältigen lassen. Im Triathlon gibt es noch Ziele die ich bewältigen möchte. Für nächstes Jahr plane ich meine erste Langdistanz.

Das Abenteuer Northsea Cycle Route ist beendet. Es war schön und voller Erfahrungen.

 

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Tag 89 0KM Hamburg/Deutschland “Der erste Tag danach”

Bin ich schon zu Hause?

Orte: Hamburg

Tagesleistung: 0km

Durchschnitt:  0km/h

Fahrzeit:           0 h

Gesamtleistung: 6321 km

Gesamte Zeit:     443,32 h

 

Drei Monate ist jetzt kein so großer Zeitraum, trotzdem reicht es um mich im ersten Moment in meiner eigenen Wohnung ein wenig fremd zu füllen. Dieses Gefühl ist eine Mischung aus Vertrautheit und Befremdung zu gleich. Zu erst wollte ich ja noch runter in den Garten mein Zelt aufstellen, doch dann viel mir auf das das gar nicht mehr nötig sei. Ich habe die erste Nacht wunderbar in meinem eigenen Bett geschlafen.

Kaffeemaschine ohne Gaskocher, Kühlschrank für kalte Milch, Steckdosen an denen ich mein IPhone unbeaufsichtigt laden kann, der pure Luxus. Zelt muss ich auch nicht verpacken. Radtaschen müssen ebenfalls nicht gefüllt werden. Da muss ich mich erst mal wieder dran gewöhnen.

Den ersten Tag nach meiner Reise habe ich damit verbracht nichts zu tun. Einfach mal gar nichts tun. Ich habe mir einen Film angeschaut und mich ein wenig mit den neuesten Neuigkeiten auseinandergesetzt. Die Radsachen werden morgen alle klariert, archiviert und für die vielleicht nächste Tour verstaut.

Morgen gibt es noch ein Resümee. Womit die Reise dann endgültig abgeschlossen wäre.

Bye Micha

 

 

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Tag 88 124KM Hamburg/Deutschland “ZIEL”

Jede Reise geht einmal zu Ende. Diese endet an einem wunderschönen sonnigen Tag auf einer wunderschönen Strecke.

Orte: Brunsbüttel – Glückstadt – Kolmar – Elmshorn – Haseldorf – Wedel – Hamburg

 

Tagesleistung: 124,70 km

Durchschnitt:  14,54 km/h

Fahrzeit:           8:34:35 h

Max:                 31,28 km/h

 

Gesamtleistung: 6321 km

Gesamte Zeit:      443:32 h

 

Der Campingplatz in Brunsbüttel ist der kleinste Campingplatz meiner gesamten Reise. Auch waren für mich ungewöhnlich viele Tourenradler auf der kleinen Zeltwiese versammelt. Das Wetter war super und die Radfahr Saison ist im vollen Gange. In gewohnter Routine verstaute ich zum letzten mal meine Ausrüstung und machte mich auf dem Weg die letzten Kilometer bis zum Ziel in Hamburg mit gekonnten gleichmässigen Tritt zunehmen. In Brunsbüttel hatte ich die Herausforderung den Nord-Ostseekanal zu überqueren. Ich lag in dem Irrtum diesen über das Sperrwerk überqueren zu müssen. Das ganze Gelände dort ist eingezäunt und man kommt mitnichten über das Sperrwerk hinüber. Die Sache ist viel einfacher. Es fährt eine Fähre hinüber die man kostenlos benutzen kann. Als damals der Nord-Ostseekanal eingerichtet wurde, wurde Brunsbüttel zweigeteilt. Deshalb richtete man damals einen kostenlosen Fährverkehr ein, der heute noch bestehet.

Aus Brunsbüttel heraus musste der Industriepark passiert werden. So ein Industriepark hat immer viel Industrieanteil und ist selten naturell. So war es auch hier. Aber auch das bekommt man hinter sich. Günstiger Weise ging es kurze Zeit später aussendeichs an die Elbe. Bei diesem strahlend Blauen Himmel zeigte sich die Elbe von ihrer schönsten Seite. Bis Brokdorf lies es sich überaus angenehm  fahren. Einzig der Wind aus Südosten sollte dafür sorgen das meine Reisegeschwindigkeit geringer ausfällt. Viele Tages- und Urlaubsfahrer kamen mir heute entgegen. Auch waren heute viele Schulklassen verschiedenen alters unterwegs. In Brunsbüttel kündigte ich in den Social Networks Twitter und Facebook mein Heimkommen an. In jeder Stadt die ich durchfuhr meldete ich, über diese meinen Standort. Das war für mich wie ein Countdown bei dem man von 10 Rückwärts zählt.

Die erste Haltestelle war Glückstadt. Das war bereits bei Kilometer 40. Man fährt nicht durch Glückstadt durch ohne ein Matjes Brötchen gegessen zu haben. Glückstadt ist Weltberühmt für seinen Matjes. So gönnte ich mir die Pause. Von Glückstadt ging es weiter an der Elbe entlang. Was für ein herrlicher Tag.Warm aber herrlich. Der nächste, zum pausieren einladende Ort, war Kolmar. Dort kam ich mit ein paar anderen Tourenradler ins Gespräch. Ich finde die Radler mit Kinderanhänger in dem dann zwei Kinder sitzen, haben ganz schön was zu leisten. Zu dem Gepäck kommt dieses Gewicht noch hinzu. Bei Kolmar bog ich der Route folgend ab ins Inland Richtung Elmshorn.

Der Weg bis Elmshorn war ebenfalls gut zu fahren. Elmshorn selber war nicht zu spannend. Von Elmshorn musste ich über 10 km zurück zur Elbe. Auf den Weg dorthin kam ein Schild mit der Kilometer Angabe nach Hamburg. 65 km hatte ich bereits und 50 km sollten es noch werden. Da wusste ich das es ganz schön eng werden könnte mit 18:00 Uhr die ich angepeilt habe. Es dauerte lange bis ich endlich Wedel erreichte. Es war sehr spannend für mich, weil ich das Elbgebiet zwischen Wedel und Blankenese auch noch nicht kannte. Aber Wedel wurde es langsam anstrengend. Ich hatte bis dahin keine weitere Pause eingelegt und dachte auch nicht daran noch eine einzulegen. Hamburg zog mich wie einen Magneten magisch an.

Bei Blankenese began für mich bekanntes Gebiet. Ich konnte Airbus in Fuhlsbüttel auf der anderen Seite der Elbe sehen. Hamburg kam mit jedem Tritt näher. Ein unwirkliches vertrautes Gefühl. Beim Fähranleger Teufelsbrück blieb ich dort stehen wo ich am 01.04.2011 das erste NSCR Zeichen entdeckte. Das war auch der Ort an dem ich die Elbe überquerte. Ich bin tatsächlich einmal im Kreis gefahren. Was für eine unglaubliche Tatsache. Weiter ging es Richtung Ovelgönne, wo ich am Elbstrand das Rad auf dem schmalen Weg schieben musste. Der Weg führt direkt an den Wohnungen der Ovelgönner vorbei. Anschaulich ein Genuss. Hinter dem Elbstrand setzte ich meinen Weg fort entlang des Fischmarktes zu den Landungsbrücken. Mein Puls stieg mit jedem Kilometer vor lauter Aufregung. An den Landungsbrücken fuhr ich noch durch die Hafencity. Und was soll ich sagen die Elbphilharmonie ist immer noch nicht fertig.

Am Hauptbahnhof traf ich mich mit meinem kleinen Neffen, der mich auf den letzten Kilometer gerne begleiten wollte. Wir fuhren gemeinsam entlang der Alster nach Winterhude. Wegen des guten Wetters war an der Alster extrem viel los. Es fühlte sich alles so vertraut und nach Hause an. Nach der Alster beim Kampnagel kam ich zu Hause an. Ich blieb stehen und stieg ab. Ich musste nicht mehr weiter fahren ich war da. Ich war am Ziel. Dort wo ich auch gestartet bin. Es war grossartig und überragend.

Ich werde auch noch am 89 und 90 Tag einen Bericht folgen lassen. Morgen werde ich darüber schreiben wie es ist nach Hause zu kommen und Übermorgen werde ich ein Resümee über die Reise abgeben.

 

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Tag 87 105KM Brunsbüttel/Deutschland “Das Schafböcken”

Blauer Himmel und Sonnenschein. So stellt sich die Nordsee Tour nochmals in einem ganz anderen Licht dar.

Orte: Sankt Peter Ording – Büsum – Meldorf – Brunsbüttel

Tagesleistung: 105,78 km
Durchschnitt: 16,38 km/h
Fahrzeit: 6:27:20 h
Max: 40,47 km/h

Gesamtleistung: 6197 km
Gesamte Zeit: 434:57 h

Ich fasste gestern den Entschluss in zwei Tagesetappen Hamburg zu erreichen. Deshalb stand ich heute morgen zeitig auf und war trotz ausgiebigen Frühstück’s bereits vor neun auf der Piste. Da der Wind aus Westen kam sollte ich leichte Unterstützung durch diesen erfahren.

Zuerst sollte mich der Weg direkt an Sankt Peters Ording’s Düne mit Blick auf den Strand entlang führen. In weiter Ferne sah man die auf Stelzen gebauten Restaurants direkte an der Wasserlinie. Die Kaiter waren bereits wieder unterwegs. Jede Menge Matten füllten den Himmel. Diesen imposanten Anblick durfte ich mehrere Kilometer geniessen.

Hinter Sankt Peter Ording durfte ich auf dem Aussendeich bis zum Ende der Halbinsel fahren. Dort ging es am Innendeich Richtung Eidersperrwerk. Die Eider ist ein breiter Zufluss ins Land hinein. Das Sperrwerk hat eine bemerkenswerte Größe und ist nett anzusehen. Das Eiersperrwerk ist Anziehungspunkt für zahlreiche Möwen. So ist an einer Ecke des Sperrwerks der Himmel voller Möwen und ihr kreischen erfüllt die Luft beim überfahren des Sperrwerkes.

Hinter dem Sperrwerk geht es entlang des Deiches bis nach Büsum. Bei Büsum wurde ich nach einer Gästekarte befragt. Ich meinte nur ich will keine Gästekarte bin nur auf der Durchreise. Ich durfte meine Fahrt nicht mehr am Deich fort führen. So ist das mit der Kurtaxe an der Küste. So schlimm war es jetzt aber nicht. Kurze Zeit später war ich bereits im Zentrum und am Hafen. Wegen des sehr guten Wetters und eines Hafenfestes in Büsum war dort ein sehr reges treiben festzustellen. Mir gefiel dieser Hafenbereich seh gut. Ich gönnte mir eine Krakauer an einem Stand. Ich glaube diese Art von Wurst gibt es tatsächlich nur in Deutschland.

Nach Büsum durfte ich dem Deich noch ein wenig folgen. Es fragte mich auch keiner mehr nach einer Gästekarte. Meine Dänische Campingkarte will übrigens keiner mehr sehen. Auf der Höhe von Meldorf kam ich an einem direkt hinter dem Deich liegenden See. Dort waren Surfer und Kiter unterwegs. Direkt hinter dem See bog ich in Richtung Meldorf ab. Meldorf selber hatte beim durchfahren nicht sehr viel zu bieten. Eigentlich gar nichts.

Es war immer noch sehr früh, so um 15:00 Uhr und ich war bereits bei Kilometer 75. Von Meldorf aus ging es Richtung Süden nach Brunsbüttel. Bis Sankt Michaelisdonn konnte man gut fahren. Dort legte ich nochmals eine kurze Kaffe Pause ein. Dabei kam ich mit zwei Brunsbüttlern ins Gespräch. Er erzählte ein wenig von Finland wo sein Sohn lebt.

Von Sankt Michaelisdonn folgte ich dem Weg den mir die Open Cycle Map auf meinem IPhone vorgab. Und dieser führte mich in einen Wald, der auch noch ungewöhnlich hoch lag für diese Umgebung. Ich bog einmal kurz falsch ab und stand mitten im Wald, wo es nicht weiter ging. Ansonsten war dieser Weg sandig und schlecht zu fahren. Am Flughafen vorbei, kam ich wieder auf die Strasse und den Originalweg.

Nach Brunsbüttel war es nicht mehr all zu weit. In Brunsbüttel gab es gestern und heute eine Feier zum 160 Jährigem bestehen des Nord-Ostsee Kanals. Dort kam ich aber nicht vorbei. Ich fuhr Richtung Deich wo ich dann auf dem dortigen Campingplatz stiess. Einer der kleinsten Campingplätze meiner Reise. So viele Radfahrer wie dort hatte ich auch noch nicht auf einen Fleck. Mit zwei von Ihnen kam ich ins Gespräch. Ein Pärchen was die Nordseeküsten Route bis nach Skagen hoch fährt. Wir konnten uns auch über England austauschen, weil die beiden schon des öfteren dort waren.

Der Campingplatz befindet sich direkt vor dem Deich auf dem die Schafe weiden. Als ich ankam gab es ein regelrechtes Bölkkonzert. Mittlerweile hat es sich beruhigt und es wird nur noch einzeln geblökt.

Ich gedenke morgen die letzte Etappe bis nach Hamburg durch zu fahren. Es sind noch knapp über 100 km. Damit dürfte ich morgen den Kreis geschlossen haben. Ich hab mir aber überlegt die Berichte noch bis zum 90 Tag fort zuführen.

Bye Micha

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Tag 86 78KM Sankt Peter Ording/Deutschland “Äpfel aus dem alten Land”

Jeder Tritt, jede Umdrehung meiner Reifen bringt mich meinem Ziel ein wenig näher.

Orte: Nordstrand – Husum – Sankt Peter Ording

Tagesleistung: 78,17 km
Durchschnitt: 15,07 km/h
Fahrzeit: 5:11:09 h
Max: 34,02 km/h

Gesamtleistung: 6091 km
Gesamte Zeit: 428:30 h

Hier in Deutschland kann man keine Hütten auf dem Campingplatz mieten. Aufenthaltsräume und Küchen gibt es hier auch nicht. Dafür gibt es meist Essmöglichkeiten in der Nähe. Entweder in der Form eines Imbisses oder eines Restaurants oder etwas dazwischen. So war es auch hier. So änderte ich heute morgen einfach mal die Reihenfolge meines standardisierten Ablaufs. Zuerst alles einpacken und dann Frühstücken. Ein Brötchen mit Schinken, Rührei und ein Kaffee dabei für fünf Euro.

Nordstrand ist eine Halbinsel und die hatte ich noch zu umfahren. Immer schön am Deich entlang bis nach Strucklandungshörn zum Fähranlieger zur Insel Pellwurm. Von da aus entlang des Aussendeiches wieder nach Süden und dann nach Osten. Vom Aussendeich kann man die Inseln und die Haligen sehr gut sehen. Wenn ich es recht in Erinnerung habe gibt es Zwei Haligen von den Zehn auf denen nur eine Person wohnt. Weiter ging es quer über Nordstrand an Wobbenbüll vorbei und durch Schobüll hindurch.

Als nächstes ging es nach Husum hinein. Der Husumer Hafen zieht sich bis in die Innenstand hinein. Die Schiffe lagen wegen der Ebbe auf Grund. Das Wetter war schön und die Café’s und Restaurants waren gut besucht. Hinter dem Hafen verlief die Route wieder in Richtung Küstennähe. Die folgenden Kilometer waren recht unspektakulär.

Bei Uelvesbüll stand ich mal wieder vor einem dieser riesigen Informationstaffeln auf dem eine Karte der Umgebung verzeichnet war. Es gab Informationen über örtliche Highlights und die Nortseacycle Route wird dort erklärt. In Deutschland ist die Route auch als Nordseeküstenradweg bekannt. Wegen dieser Informationstafeln wissen alle Radfahrer in dieser Umgebung das die gesamte Route 6000 km beträgt. Als ich die Information auf dieser Tafel las wurde ich angesprochen. Es ergab sich ein längeres Gespräch in dem ich viel gefragt wurde und ich einige Anekdoten meiner Reise zum besten geben konnte. Zum Abschied gab es noch zwei Äpfel aus dem alten Land.

Die restlichen 30 km bis nach Sankt Peter Ording führten nicht am Deich entlang sondern mitten durch das Land. Ich fand es ziemlich unaufregend und so zog sich die Zeit ganz schön hin. Endlich angekommen checkte ich auf dem Campingplatz ein. Die Zeltwiese ist voller Zelte. Mir wurde gesagt, das seien sehr viele Väter mit ihren Kindern. Die Zeltwiese ist nicht sehr gross und die Väter haben ein offenes Zelt aufgestellt in dem ein wenig gefeiert wird. Jetzt höre ich die Partymuke trotz Ohrstöpsel sehr deutlich und Frage mich ob ich dabei gleich schlafen kann.

Da der Netzempfang hier sehr schlecht ist, kann ich die Reststrecke nicht richtig gut durch planen. Ich schätz mal es werden noch um die zwei Hundert Kilometer sein. So werde ich wohl entweder am 27. oder 28. In Hamburg ankommen.

Bye Micha

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Tag 85 73KM Nordstrand/Deutschland “Das Wattenmeer”

Ich bin zurück in Deutschland, was für ein Gefühl.

Orte: Rudbøl – Rosenbkranz – Niebüll – Dagebüll – Nordstrand

Tagesleistung: 73,84 km
Durchschnitt: 15,48 km/h
Fahrzeit: 4:46:07 h
Max: 32,59 km/h

Gesamtleistung: 6013 km
Gesamte Zeit: 423,19 h

Mit dem Frühschwimmen wurde es heute morgen nichts. Ich habe einfach zu lange geschlafen. Ist aber nicht so tragisch. Mit 50 Kronen war das der günstigste Campingplatz in Dänemark auf meiner Reise. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren fuhr ich los Richtung Grenze. Keine fünf Minuten später war ich auch schon dort. Die Bundesrepublik Deutschland hies mich willkommen. Was für ein grossartiges Gefühl. Es war wie ein Gefühl das man hat, wenn man nach Hause kommt. Vertrauter Boden.

Der Wind blies sehr stark aus Westen. Die erste größere Stadt war Niebüll. Der Weg dorthin verlief mal mit dem Wind, mal am Wind und auch kurze Passagen gegen den Wind, nach 20 km kam ich dort an. Ich fuhr langsam hindurch und genoss es deutsche Werbung zu sehen und zu lesen. An der ersten Sparkasse deckte ich mich mit Euro’s ein. Die hatte ich auch schon lange nicht mehr in der Hand.

Von Niebüll kämpfte ich mir den Weg durch den Wind an die Küste. So richtig Lust auf Kraftübung hatte ich heute nicht. Am Deich ging es weiter nach Süden Richtung Dagebüll. Von Dagebüll fahren die Fähren nach Föhr und Amrun. Dagebüll ist ein Nordseeheilbad und ein sehr kleines beschauliches Örtchen. Ich gönnte mir dort im Fischimbiss Matjes mit Röstkartoffeln.

Der weitere Weg verlief am Deich mitten durch das Naturschutz Gebiet hindurch. Eine überaus schöne Strecke. Auf der Höhe der Hamburger Halig gab es ein kleines Informationshäuschen bei dem ich mich über das Thema Wattenmeer, Haligen und Koogen ein wenig mit Wissen versorgte.

Koogen ist dem Meer abgerungenes Land unter Normal Null, welches durch Deiche geschützt für den Menschen nutzbar gemacht wurde. Halligen sind aufgelandete Gebiete vor der Küste. Es sind keine Inseln. Sie haben maximal einen Sommerdeich. Sie sind bei Ebbe zu Fuss zu erreichen. Selbst bei der Springflut wird ihr höchster Punkt nicht überschwemmt. Auf diesen höchsten Punkten ist Wohnraum verbaut. Es ist unglaublich was der Mensch hier leistet um die raue Natur im Zaum zu halten. Es existieren noch 10 Haligen.

Ein wirklich sensationelles naturelles Erlebnis hat man beim Lüttmoor See kurz vor Nordstrand. Am Deich entlang kann man eine hohe Artenvielfalt von Vögeln beobachten. Am Deich und auch auf dem Weg dem man befuhr trieben Schafe ihr Unwesen. Diese Schafe sind den Menschen wohl gewohnt und viel weniger Schreckhaft als anderswo. So waren nicht nur de Schafsgitter im Weg sondern auch ab und zu ein Schaf was sich mitten auf den Weg befand.

Kurz vor Nordstrand fuhr ich den dortigen Campingplatz an. Der Platzward ist ein witziger Zeitgenosse. Ich muss mich erstmal dran gewöhnen, das man hier wieder Deutsch mit denen sprechen kann.

Ich bin immer noch geneigt die letzten Kilometer stramm durch zu ziehen. Wenn es mit dem Wetter nicht besser wird, werde ich es wohl auch machen.

Bye Micha

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Tag 84 70KM Rudbøl/Dänemark “De Hexenverbrennung”

Heute ist der letzte Tag mit den letzten Kilometern im nicht Deutschen Gebiet. Das Ende kommt immer näher.

Orte: Ribe – Rudböl

Tagesleistung: 70,94 km
Durchschnitt: 14,74 km/h
Fahrzeit: 4:48:41 h
Max: 27,22 km/h

Gesamtleistung: 5939 km
Gesamte Zeit: 418:33 h

Das Wetter war bewölkt und Wind aus Süd-West. Leider in der Richtung in die ich fuhr. Interessanter Weise hegte ich keinen einzigen schlechten Gedanken wegen des schlechten Wetters. Ich nahm es hin wie es war und fuhr dem entsprechend. Von Ribe führte mich der Weg schnurstracks wieder an den Deich. Es war so flach das ich bereits sehen konnte, wo ich drei Stunden später landen sollte.

Das ist einer dieser Momente in denen man in sich geht. An der Umgebung ändert sich ja drei Stunden lang nichts. Man denkt über alles mögliche nach. Gestern, heute und morgen. Ein Spaziergang ist es trotzdem nicht wenn man mit 12 km/h gegen den Wind ankämpft. Es fordert Konzentration auf sich selber. Wenn die Oberschenkel langsam abfangen zu brennen, denke ich ans treten. Erst Links dann rechts, immer schön im runden Tritt.

Ich bin mittlerweile soweit in der Lage abzuschalten, das trotz Anstrengung und Ödnis immer getreten wird und zwar so lange es notwendig ist. Nichts desto trotz war ich froh nach 70 km in Rudbøl anzukommen.

Zuerst fuhr ich das Youth Hostel an. Dort wurde ich nach einem Jugendherbergsausweis gefragt. Mein vorläufiger Campingausweis interessierte sie nicht. Bettwäsche bejahte ich, wollte ich haben. Dann stellte sie mir die entscheidende Frage, Kronen oder Euro. Ich meinte das ich seit über 2 1/2 Monaten kein Euro mehr gesehen habe und ich doch gerne mi Kreditkarte zahlen würde. Sie verneinte die Möglichkeit. Ich meinte das ich nur noch 100 Kronen hätte. Sie meinte wir wären bereits bei über 300. Ich fragte nach einem Geldautomaten. Sie meinte der wäre sieben Kilometer Richtung Süden entfernt, bei Friedrichshafen. Wenn ich da ganz hinfahre fahre ich bestimmt nicht mehr zurück. So konnte ich wegen mangelnder Liquidität nicht einchecken. Passiert mir auf der gesamten Reise zum ersten mal. Kein Herz für Fahrradfahrer, da wird man einfach weiter geschickt.

Aber ein paar Hundert Meter weiter gab es einen Campingplatz. Die Rezeption war offen aber niemand war anwesend. Ich rief eine Nummer an und wurde in Dänisch begrüßt. Ich versuchte es mit allen Sprachen die ich konnte. Zugegeben es ist nur Deutsch und Englisch. Es nützte aber alles nichts, er sprach weiter in Dänisch mit mir. Nach einer Zeit lag er einfach auf und ich stand immer noch alleine in der Rezeption.

Ich griff mir die erst beste Person die ich antraf, er kannte den verantwortliche Person wusste aber nicht wo sie ist. Er suchte für mich nach ihr. Nach einer Weile kam jemand und winkte mir zu. Das sah schon mal nicht so schlecht aus. Er sprach mich auf Dänisch an und es stellte sich recht schnell heraus das wir mit einander telefonierten. Ich fragte nach einer Hütte, er signalisierte mir das er mit mir dafür in das Restaurant gehen müsse. Nach einigem hin und her kam wir endlich auf den Preis. 50 € war mir zu viel und ich signalisierte das mir ein Zeltplatz reichen würde.

Ich wurde auf dem Platz herum geführt. Sanitäranlage , Küche alles wie gehabt. Das Highlight war aber ein 12 Meter Schwimmbecken. Als nächste wurde ich zu meinem Zeltplatz geführt, ein komplett abgeschirmtes schnuckeliges Plätzchen. Ich holte zum aller ersten mal meine Schwimmsachen heraus und trottete Richtung Schwimmbecken. Eine Stunde Kraulen, Bahn hoch und Bahn runter. Was hat mir das gefehlt. Für die richtige Triathlon Form muss ich aber noch ein wenig mehr tun.

Auf dem Rückweg zum Zelt sah ich eine Zehnköpfige Gruppe Camper beim Grillen, unter ihnen auch der Platzwart. Heute ist Mittsommernacht und da sitzt man in Dänemark zusammen. Ich wurde herbei gewunken und mir wurde angeboten daran teilzunehmen. Ich nahm an und bekam zu Essen und Wein. Den ganzen Abend sass ich mit der Gesellschaft zusammen, es wurde gescherzt und gesungen. Die meiste Zeit verstand ich kein Wort. Da geht es mir zu Hause in grossen Gruppen wegen meiner Höhrschwäche aber auch nicht anders. Ich durfte auch einem dänischem Ritual beiwohnen der Verbrennung der Blocksberg Hexe.

Morgen werde ich die Grenze zu Deutschland überqueren und in vier bis sechs Tagen zurück in Hamburg sein.

Bye Micha

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Tag 83 0KM Ribe/Dänemark “Die Wikinger”

Ein Tag in der Geschichte Dänemarks.

Orte: Ribe

Tagesleistung: 0 km
Durchschnitt: 0 km/h
Fahrzeit: 0:00:00 h
Max: 0 km/h

Gesamtleistung: 5868 km
Gesamte Zeit: 413:44 h

Ruhetag, obwohl ich diesen körperlich gar nicht brauche mache ich heute einen freien Tag. Ich würde es auch lieber Sightseeing Day nennen. Oder vielleicht Besichtigung’s Tag. Ich bin genau einen Monat jeden Tag Rad gefahren. Vom 21.05. bis zum 21.06., ohne einen Tag Pause. Zugegeben nicht jedenTag 80 km, da waren auch ein paar 40er bei. Dafür gab es aber auch Berge und 158 km Etappen. Ich könnte wohl ewig weiter fahren,

Heute aber liegt der Focus auf Ribe. Die älteste Stadt Dänemark’s. Geschichte in Reinkultur. In der Innenstadt ist man mitten drin im Zeitgeschehen dieser über 1300 Jahre alten Stadt. Viele alte Fachwerkhäuser die den Zeitgeist der Stadt prägen. Sie sind nicht nur Fassade, sondern lebendig und bewohnt. Im 1700 oder 1800 Jahrhundert gab es einen grossen Brand, bei dem die Stadt sieben Jahre von den Steuern befreit wurde. Somit datieren die meisten Gebäude aus der Zeit nach diesem Brand.

Ribe hat hat eine lange und bewegte Geschichte die bis zu 700 n.C. zurück reicht. Es wurde von Handel geprägt und war das Handelstor zu Europa. Händler siedelten sich wegen der guten Zugänglichkeit dort an. Die Marsch und eine Furt boten gute und leichte Zugangswege. Ab 900 n.C. wurde es still um Ribe. Interner Kampf im Land lies die Händler fern bleiben. Ab 1100 fing die Stadt historisch wieder an zu existieren. Die Christianisierung Dänemarks wurde ebenfalls von Ribe aus gestartet. Ein Dom und mehrere Kirchen standen und stehen in Ribe. All das und viel mehr erfährt man im Viking Museum.

Ich könnte mich den ganzen Tag in solchen Museen aufhalten. Die Zeit danach schlenderte ich durch die alte Innenstadt. Ich sah ein Paar welches ihre bepackten Räder durch die Stadt schoben. Ich sprach ihn aus drei Meter Entfernung an. Er schaute mich verwirrt an, wollte was sagen, versuchte es und schob dann weiter. Ich versuchte es nicht nochmal. Hmm, mag es daran liegen das es Stadt ist oder das ich weiter gen Norden komme. Sonst reicht meisten’s schon ein Hai und man hat ein Gespräch.

Ich hatte grosse Lust auf eine Pizza und begab mich zum ortsansässigen Italiener. Mich überraschte es doch sehr, das es beim Italiener in Dänemark English Breakfast gibt. Die Pizza war übrigens vortrefflich. Nach diesem überaus kulinarischen Mahl zog es mich zurück zum Campingplatz.

Der Ort hatte ein Schwimmbad und meine Laufschuhe könnten auch langsam mal ein wenig Bewegung vertragen. Es kribbelt schon die ganze Zeit. Heute aber wird es wohl noch nichts. Ich hab mir gestern irgendwie die obere Rücken Muskulatur zu gefahren. Ich konnte meinen Kopf nicht richtig drehen. Morgen ist auch noch ein Tag,

Zurück in meiner Hütte tat ich etwas was ich die ganze Fahrt über noch nicht getan habe. Ich spielte etwas auf meinem IPad. Baphotemeus Fluch. Ein Spannendes Adventure.

Mein Plan für morgen sieht vor bis an die Grenze heran zu fahren um Übermorgen nach Deutschland überzusetzen.

Bye Micha

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